Einwegkleidung ist fester Bestandteil vieler Arbeitsschutzprogramme – in Industrie, Lebensmittelverarbeitung, Labor, Medizin, Reinraum und Entsorgung. Für Wiederverkäufer zählt dabei nicht nur die Preisgestaltung, sondern vor allem die richtige Auswahl nach Schutzstufe, Norm und Einsatzdauer. Dennoch führen Fehlentscheidungen beim Einkauf regelmäßig zu Lieferreklamationen, Materialüberschüssen oder unpassenden Schutzstufen.
Die folgenden fünf Punkte fassen die häufigsten Fehler aus der Vertriebspraxis zusammen und zeigen, wie sich diese systematisch vermeiden lassen.
Fehler 1: Schutzklasse und Norm werden verwechselt
Ein häufiger Irrtum besteht darin, die Kategorie der PSA (I, II, III nach Verordnung (EU) 2016/425) mit der Schutztyp-Klassifizierung (z. B. Typ 3–6 nach EN 14605, EN 13034, EN ISO 13982-1) gleichzusetzen.
- Die PSA-Kategorie beschreibt die Risikostufe (geringes, mittleres, hohes Risiko).
- Der Schutztyp legt fest, wogegen der Anzug geprüft ist (z. B. flüssigkeitsdicht, sprühdicht, partikeldicht).
Fachhändler sollten in Produktdatenblättern beide Angaben prüfen, da ein Overall Kategorie III sein kann, aber trotzdem nur begrenzten Spritzschutz (Typ 6) bietet.
Fehler 2: EN 14126 wird übersehen
Bei Tätigkeiten mit biologischen Risiken (z. B. in Gesundheitswesen, Tierhaltung oder Abfallmanagement) muss Schutzkleidung nach EN 14126 geprüft sein. Diese Norm bewertet Materialien auf Durchdringung von infektiösen Flüssigkeiten und Aerosolen.
Fehlt die Kennzeichnung „-B“ (z. B. Type 5-B), liegt kein geprüfter biologischer Schutz vor – auch wenn der Anzug optisch identisch wirkt.
Fehler 3: Materialqualität und Nähte werden nicht beachtet
Viele Reklamationen resultieren aus unsachgemäßer Beurteilung von Materialaufbau und Nahtverarbeitung.
- Spunbond-Meltblown-Spunbond (SMS) bietet guten Partikelschutz bei hoher Atmungsaktivität, ist aber nicht flüssigkeitsdicht.
- Laminierte Materialien (Microporous Film, PE-Coating) sind flüssigkeitsabweisend, jedoch weniger atmungsaktiv.
- Nähte können vernäht, verschweißt oder überklebt sein; für flüssigkeitsdichte Anwendungen ist mindestens verschweißt oder geklebt erforderlich.
Diese Eigenschaften sind für Beratungsgespräche zentral – insbesondere bei Ausschreibungen oder technischen Freigaben.
Fehler 4: Größen- und Passformaspekte werden unterschätzt
Einwegkleidung ist funktionsfähig nur bei korrekter Passform. Zu enge Anzüge reißen, zu weite Modelle verlieren Dichtheit an Übergängen. Händler sollten Produkte mit klarer Größentabelle (mind. S–3XL) und Toleranzangaben führen.
Praxisempfehlung: Anprobe oder Bemusterung vor Großabnahme, da Größen je Hersteller bis zu 1 Nummer variieren.
Fehler 5: Wirtschaftlichkeit wird kurzfristig bewertet
Oft entscheidet der Stückpreis über den Einkauf, obwohl Lager- und Entsorgungskosten den Gesamtaufwand stärker beeinflussen.
Wesentliche Wirtschaftlichkeitsfaktoren:
- Verpackungseinheiten und Lagerkompatibilität (z. B. flachliegende vs. vakuumierte Anzüge)
- Haltbarkeit und Lagerbedingungen (Temperatur, Feuchtigkeit)
- Entsorgungskosten bei kontaminierter Kleidung (nach Gefahrstoffrecht)
- Stabilität der Lieferkette und Mindestbestände beim Hersteller
Eine reine Preisfokussierung ohne Lifecycle-Betrachtung kann zu Engpässen und Qualitätsabweichungen führen.
